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  • Sven Scheffel

Unerwartete Wintertour im Hochschwarzwald

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Als ich meine Frau Antje fragte, was sie denn an ihrem Geburtstag schönes unternehmen möchte, sagte sie: "Zwei Tage wandern gehen!" Wohlgemerkt, Antje hat am 10. März Geburtstag, da ist in manchen Regionen noch Winter. Die Idee fand ich toll und sagte zu ihr: "Ok, dann plane mal was!". Sie entschied sich für eine Tour mit Start am Schluchsee und einer Übernachtung auf der Krunkelbachhütte, unterhalb des Herzogenhorns.

Am nächsten Tag sollte es zurück gehen. Zum Planungszeitpunkt war es bei uns in der Rheinebene sehr mild und trocken. Es kündigte sich jedoch Regen an. Antje meinte, das mache nichts, wir gehen trotzdem und schauen, ob es vielleicht doch trocken bleibt. Das klang nach einer Herausforderung und ich dachte mir, wenn meine Frau so etwas plant, machen wir das einfach. Mehr als nass werden können wir nicht. Nach der Karte zu urteilen, gab es unterwegs keine spezifischen Gefahrenstellen, die bezüglich des Wetters zu beachten gewesen wären. Also los! Im Vorfeld hatte ich im Hinterkopf, dass es möglicherweise hier und dort noch etwas Schnee haben könnte. Deshalb waren wir mit Grödel und Winterausrüstung optimal ausgestattet. Die Schlechtwetterfront bewirkte dann doch tatsächlich, dass die Temperaturen im Hochschwarwald noch einmal sanken und der Niederschlag als Schnee herunter kam und liegen blieb. Wir waren also mitten in eine Wintertour geraten. Nicht ganz unvorbereitet, aber wir hatten doch etwas andere Erwartungen.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Tourstart am Schluchsee, begann es dann tatsächlich zu schneien und je höher wir stiegen, desto mehr Schnee lag. Nach einer Stunde fragte ich mich, warum wir eigentlich keine Schneeschuhe mitgenommen haben?

Das Schneestapfen war anfangs recht spaßig, wurde dann aber zunehmend anstrengend. In einer Schutzhütte machten wir Mittagspause und suchten Schutz vor Wind, Schnee und Kälte. Irgendwie fühlte es sich ein wenig unwirklich an und wir beide hätten nicht gedacht, plötzlich in solch einem Abenteuer festzustecken. Gut das Cesco zu diesem Zeitpunkt noch Spaß im Schnee hatte.

Wir stiegen Menzenschwand hinab und Richtung Spießhorn wieder rauf. Zu diesem Zeitpunkt war es schon Nachtmittag und der Schnee wurde tiefer. Mittlerweile spurte ich durch Tiefschnee. Cesco sprang von einem Fußabdruck zum nächsten. Hin und wieder überholte er und hüpfte wie ein Reh durch den tiefen Schnee. Zunehmend wurden wir alle drei müde und die Kondition ließ nach. Cesco suchte immer öfter Schutz am schneefreien Fuß von Fichten und ruhte sich dort aus. Unterhalb des Spießhorns trafen wir die Entscheidung, dass es keinen Sinn machen würde weiterzugehen. In anderthalb Stunden würde es dunkel werden und wir würden sicher noch eine Stunde bis zur Hütte brauchen. Vom Grad der Erschöpfung durch das Tiefschneegehen, waren wir am Limit angekommen. Alles was jetzt kommen würde, wäre nicht ganz ungefährlich und töricht.

So stiegen wir den Berg Richtung Menzenschwand wieder hinab. Unser Plan war, einen Bus zu nehmen und zu versuchen auf anderem Weg zur Hütte zu kommen. Der Schneefall war zu diesem Zeitpunkt in strömenden Regen übergegangen und wir waren komplett durchnässt. Außen durch den Regen, Innen durch die Kondensfeuchtigkeit vom Schwitzen. Seit Stunden hatten wir auch keine Mobilfunkverbindung, was die weitere Planung erschwerte.

Nachdem wir in Menzenschwand die Busverbindungen checkten, ging ich irgendwann in ein Hotel am Straßenrand, um zu fragen, ob ein Telefonat möglich sei. Antje wartete mit Cesco an der Straße. Als ich fünf Minuten später zurück kam, sagte ich zu ihr: "Es gibt eine gute und eine Schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht lautet, es gibt keine Möglichkeit mit dem Taxi zur Hütte zu kommen, weil zu viel Schnee liegt. Der Hüttenwirt würde das Geld aber einfach stehen lassen und wir kommen irgendwann anders mal vorbei. Die gute Nachtricht ist, hier im Hotel gibt es ein Zimmer und ein Restaurant und eben habe ich eingecheckt."

Nachdem wir unser komplettes Equipment zum trocknen im Zimmer verteilt und geduscht hatten, saßen wir beim Abendessen und konnten es kaum fassen, dieses Abenteuer heute erlebt zu haben. Immerhin war das Geburtstagsessen gerettet.



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