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TEXT & BILD - Stuhlross

12 Jan 2018

Ein schönes neues Jahr wünsche ich euch!

In meinem ersten Blogartikel in 2018, zeige ich euch ein Foto mit dem Bildtitel "Angry Chair". Das Foto ist schon etwas älter, wurde jedoch von Stefan Kriegel in den Tiefen meiner Webseite wiederentdeckt.

Stefan schrieb vor einiger Zeit eine Geschichte und fand, dass diese Fotografie seine Geschichte sehr gut illustrieren würde. Im heutigen "Text & Bild" Beitrag vereinen wir nun "Angry Chair" und die Geschichte "Stuhlross" miteinander und stellen sie euch vor. Zum Blog von Stefan findet ihr HIER.

 

 

STUHLROSS von Stefan Kriegel

 

Mit vollem Schwung über die Kreuzung, gerade noch bei gelb geschafft

 - beide Augen zuzudrücken. Vor mir hindert mich ein fremdländischer Schwertransport am Fortkommen, was kinetische Energie und Kinnlade synchron absacken lässt.

 

Der Mann bewegt mindestens 10 Stühle vorn und hinten am Fahrrad vorwärts.

Kein Fußgängerverkehr mehr, jetzt könnte er mich doch vorbei lassen, denke ich und möchte klingelnd, dass er mit mir diese gute Idee teilt. Stattdessen teilt mir aber sein linker Arm mit, der wie eine Schranke ausfährt, dass da kein Durchkommen für mich ist.

 

Systemisch ausgebildet stelle ich die vermeintliche verkehrspsycho-logische Eindeutigkeit dieser Geste in Frage, gebe wieder Gas und deute seinen Arm fix in eine manuell zu öffnende Kippsperre um. Hierbei bekomme ich einen phonetischen Anhaltspunkt auf den Migrationshinter-grund des Lastkraftradlers und zugleich merke ich, dass dieser feinsinnige Mensch den Stuhl nicht nur im überladenen Sinn, sondern auch im übertragenen zu gebrauchen versteht, denn deutlich erreicht mich ein lautes „Scheißn...“ auf gleicher Höhe und als ich als kleine Anerkennung kurz die Lehnen der vorderen Stühle anstubse, fährt mein Interaktionspartner erstens etwas instabiler und zweitens mit dem Mittelteil seiner engagierten germanistischen Bemühung noch eifriger, weil deutlich lauter, fort: „...dräck...“.

Er rollt das R fast so schön wie ich auf der jetzt freien Strecke und ich höre in gleicher Lautstärke (denn jetzt schreit er) von hinten (von wo sonst), dass der schwankende Stuhlsammler nicht nur zu so etwas wie elaboriertem Kot Code fähig ist, sondern mich auch noch anatomisch korrekt einordnen kann, denn er ergänzt aus seiner jetzt rückwärtigen Sicht den letzten Teil seiner spontanen Sprachübung „...Ascheloch“.

 

Gerne hätte ich mich weiter mit diesem gebildeten Mann beschäftigt, aber ich musste plötzlich ganz dringend-zur Arbeit.

 

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