Erlebnispädagogik

Herausforderung & Prozessbegleitung

E R L E B N I S P Ä D A G O G I K

Die Grundlagen der Erlebnispädagogik wurden bereits mit der Entwicklung der allgemeinen Pädagogik im 18. Jahrhundert gelegt. Jean-Jacques Rousseau, Henry David Thoreau oder auch die „Kopf-Herz-Hand„-Pädagogik von Johann Heinrich Pestalozzi, werden hierbei immer wieder als philosophische Basis genannt. Die moderne Erlebnispädagogik hat zudem bedeutsame Wurzeln in der Reformpädagogik des 19. Jahrhunderts. Ein weiterer wichtiger Wegbegleiter war Kurt Hahn, der mit seinen „Outward-Bound Schools“ den Weg in die Gegenwart ebnete.

 

Was ist denn nun Erlebnispädagogik?

Erlebnispädagogik basiert auf dem Konzept des Handlungsorientierten Lernens und öffnet einen Raum zur Persönlichkeitsentwicklung und zu sozialen Lernprozessen.
Aus der Hirnforschung wissen wir: Lernen wird dann effizient, wenn Lernprozesse an folgende Eigenschaften

gekoppelt werden:

 

  • Herausforderungen

  • Emotionen

  • das eigene Tun

  • an den Einsatz aller Sinne

  • an prägende Erlebnisse

  • Erfolgserlebnisse

 

 

 

„Aus Erlebnissen der Seele werden Spuren im Gehirn.“

(Manfred Spitzer, 2002)



Willkommen in der Wachstumszone

Halten wir Menschen uns (nur) in unserer Komfortzone auf, werden wir feststellen, dass wenig bis keine Lernprozesse stattfinden. Möchten wir persönlich wachsen oder uns als Team weiterentwickeln, gibt es nur eine Möglichkeit: Raus aus der Komfortzone und rein in die Wachstumszone. An dieser Stelle kommen wir als Erlebnispädagogen ins Spiel. Unsere Aufgabe ist es, durch den Einsatz unterschiedlicher Aktionen und Methoden der Prozessbegleitung, Menschen in diese Wachstumszone zu führen. Wir bieten Herausforderungen an, die subjektive Grenzen überschreiten. Dabei begleiten wir unsere Teilnehmer eng und verantwortungsvoll. Physische und psychische Sicherheit stehen in unserer Arbeit immer an oberster Stelle.

Wo und wie passiert das genau?

Der Aktionsraum der Erlebnispädagogik ist in aller Regel die Natur. Dort stellen wir Teilnehmer vor herausfordernde Aufgaben. Das kann beispielsweise beim Klettern an einer Felswand sein:

 

Zwei Teammitglieder befinden sich plötzlich in einer gegenseitigen Abhängigkeit. Der eine klettert, der andere sichert. Nur verbunden durch ein Sicherungsseil. Die Erfahrung zeigt, dass sich in dieser Situation unterschiedliche Themen bei der Zweierseilschaft öffnen. Aspekte wie Vertrauen, Verlässlichkeit, Sicherheit oder Verbundenheit gewinnen möglicherweise an Präsenz und werden zum Gesprächsthema gemacht. In der Prozessarbeit könnten daraus folgende Fragen entstehen:


„Hier am Fels seid ihr durch ein Sicherungsseil verbunden. Was verbindet euch im Alltag und wie gebt ihr euch dort gegenseitig Halt?“ oder „Ihr habt eben erzählt, diese sichere Verbindung fehlt euch in eurem Berufsalltag, sie wäre für die gemeinsame Zusammenarbeit jedoch wichtig und könnte einige Abläufe verbessern. Welche Ideen habt ihr nach der heutigen Erfahrung, wie ihr eure Zusammenarbeit reibungsloser gestalten könnt?“


In kreativen Reflexionen erörtern wir Möglichkeiten, wägen die Wichtigkeit und Machbarkeit einzelner Ideen ab und gestalten einen Transfer in der Alltag.


Dies ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten wie Erlebnispädagogik eingesetzt werden kann.
Das Repertoire reicht von Abseilen von Felswänden, der Arbeit in Hoch- und Niedrigseilelementen bis hin zu kniffligen Kooperationsaufgaben, Lernprojekten oder Selbsterfahrungselementen während Solozeiten in der Natur. Egal welche Methoden wir wählen, wir orientieren uns immer an einem roten Faden: Persönliche Schlüsselkompetenzen oder Schlüsselkompetenzen im Team zu erwerben, trainieren und auszuweiten. Oder anders formuliert: Wir initiieren und begleiten Entwicklungsprozesse.

Wer profitiert von Erlebnispädagogik und wo kommt sie zum Einsatz?

Das ist ganz unterschiedlich. In der Erlebnispädagogik arbeiten wir mit Gruppen, sowie mit Einzelpersonen.
Das Konzept eignet sich, um z.B. Soziale Kompetenztrainings mit Schulklassen durchzuführen, findet jedoch auch Anwendung in Unternehmen, Vereinen und Organisationen, um Teams zu coachen, Konflikte zu bearbeiten oder neue Perspektiven zu finden.

Was bedeutet „systemische“ Erlebnispädagogik?

Die Systemische Sichtweise findet immer mehr Einzug in die unterschiedlichen Disziplinen. Sei es in der Psychotherapie, Beratung oder Sozialen Arbeit.
Grundlage der Systemischen Arbeit bildet das Verständnis, dass wir Menschen keine Inseln darstellen, sondern immer in ein Netz von Beziehungen eingebunden sind. Dieses Netz von Beziehung nennen wir „Systeme“. Jeder Mensch gehört unterschiedlichen Systemen an. Das kann die Familie sein, die Schulklasse, der Sportverein, eine bestimmte Gruppe von Freunden oder auch weit gefasst, unsere Gesellschaft. Jedes System bildet ein sich selbst erhaltendes Gleichgewicht, mit eigenen Strukturen und Mustern aus. Probleme und Eigenschaften werden in der Systemischen Arbeit immer im Kontext der Beziehungen innerhalb eines Systems gesehen und tragen oftmals eine wichtige Funktion in sich. Die Systemische Psychologie kommt zu der Erkenntnis, dass sich Veränderungen in einem System nur unter bestimmten Vorrausetzungen herbeiführen lassen, da in Systemen oftmals Musterwiederholungen stattfinden, um das oben beschriebene Gleichgewicht wieder herzustellen oder aufrecht zu erhalten. Veränderungen können herbeigeführt werden, indem ein System von außen irritiert oder gestört wird. Gelingt das, findet eine Neuausrichtung statt. Diese Neuausrichtung kann sich auf Rollen im Team und Abläufe in der Arbeit auswirken. Weiterhin verändern sich Sichtweisen und Bewertungen über andere oder mich selbst. Mit der Arbeit in der Wachstumszone führen wir in der Erlebnispädagogik oftmals Aktionen durch, die für Soziale Systeme eine Irritation darstellen. Man könnte somit sagen, die Erlebnispädagogik ist per se systemisch.


Erlebnispädagogen die sich in ihrer Arbeit an die Systemische Psychologie anlehnen, nehmen eine bestimmte Haltung in der Zusammenarbeit mit Klienten ein.

  • Wir arbeiten immer Lösungs- und Ressourcenorientiert und möchten eine „Problemtrance“ vermeiden.

  • Wir schätzen die Lebensmodelle und Einstellungen unserer Klienten wert.

  • Wir unterstützen Systeme bei der „Suchbewegung“, nach ihren eigenen individuellen Lösungen.

  • Wir wahren Neutralität und Allparteilichkeit.

  • Und zum Schluss: Systemische Erlebnispädagogen sind immer sehr neugierig, stellen spannende Fragen und wollen den Dingen auf den Grund gehen!
     

In meinem kurzen Text, was Erlebnispädagogik für mich bedeutet, bleibe ich sehr stark an der Oberfläche. Gerne biete ich Ihnen an einen Schritt tiefer zu gehen, sollten sie neugierig sein. Mit einem befreundeten Schweizer Hochschuldozenten für Erlebnispädagogik erarbeitete ich ein Seminarskript, welches ich Ihnen zur Ansicht gerne zur Verfügung stelle. Gerade die doch nicht ganz so einfachen Theorien zur Systemischen Arbeit, werden dort noch etwas genauer erläutert.

 

 

"Wer Probleme sucht, wird Probleme finden - 

Wer Lösungen will, sollte sich auf die Lösungen konzentrieren."

 

(Joop Willemse & Falko von Ameln)

              Sven Scheffel

Kanuguide

Systemischer Erlebnispädagoge

Fachwirt für Organisation und Führung

Erzieher

Karlsruher Str. 121 | 76287 Rheinstetten

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